Chronik - Chronik Auszüge
Wien Fahrt 1934 - Teil 1

1933: kurze Vorgeschichte zur großen Ausrückung nach Wien im Jahre 1934.

Am 8. Sept. nach Wien zum Allgemeinen deutschem Katholikentag gefahren: In Wien teilgenommen an der Festmesse am 9. September. Am 10. beim Festgottesdienst in Schönbrunn. Am 11. Heldengedenkfeier vor der Karlskirche, nachmittag vaterländische Kundgebung und Fackelzug, der bis halb 12 nachts dauerte, am 12. Marsch zum Bahnhof und Heimreise.

Aus dem Jahresbericht von Kapellmeister Josef Schett, 31.12.1933. Weitere Aufzeichnungen zu dieser Ausrückung liegen nicht vor.

1934  - 10. internationaler Bauernball in Wien vom 7. - 13. Februar 1934.

Die Fahrkarten für den Zug werden bereits vorher den Musikanten zugesandt, Unterkunft und Verpflegung sind frei. Fahrtzeit von Sillian nach Wien: 23 Stunden. Als Tagesverdienst erhält jeder Musikant 2 Schilling, das ist das Doppelte eines guten Taglohnes in der Heimat. Die Einladung zum Wienbesuch erteilte der „Klub der Harmlosen“ nach dem Auftritt im Jahre 1933.

Kapellmeister Josef Schett ist auf Fachkurs, deshalb wird Kapellmeister Josef Wieser von Strassen ausgeliehen. Weil einige Musikanten verhindert sind, was für den Zeitraum vom  6. bis 13. Feber leicht erklärlich ist, haben sich einige Mann der Musikkapelle Strassen bereitwilligst gemeldet, die Musikkapelle Außervillgraten  zu vervollständigen.“ Einige Proben hielt Josef Wieser in Außervillgraten ab, mehrere Male fuhren die Außervillgrater Musikanten mit dem Fahrrad zur Musikprobe nach Strassen.

Der Großteil der Außervillgrater Musikanten waren Bauern oder Knechte bei den größeren Grundbesitzern. Im Zeitraum Mitte Feber musste vor allem das Heu von den Almen und Wiesen sowie Brennholz und Streugut aus den Wäldern zu den Höfen gebracht werden. Somit standen für die Fahrt nach Wien nicht alle Musikanten zur Verfügung.

Folgende Auftritte stehen unter anderem in Wien am Programm:

Huldigungständchen beim Bundeskanzler
Besorgung der Ballmusik zum 10. Internationalen Bauernball

 
Wien Fahrt 1934 - Teil 2

Huldigungständchen bei Bundeskanzler Engelbert Dollfuß u. Vizekanzler Emil Fey.

Engelbert Dollfuß:  (* 4.Oktober 1892 in Texing - † 25. Juli 1934 in Wien) Österreichischer Bundeskanzler v. 20. Mai 1932 – † 25. Juli 1934
Vizekanzler Emil Fey (* 23. März 1886 in Wien; † 16. März 1938) war Major der k.u.k. Armee, Heimwehrführer und Politiker der Ersten Republik und des Ständestaates.

Musikkapelle Außervillgraten in Wien 1934Die Reichspost vom 10.2. 1934 berichtet unter Todesfälle, daß an der Leichenfeier des Wiener Eisenhändlers Richard Reichl auch die „ gegenwärtig in Wien weilende Tiroler Standschützenkapelle Außervillgraten teilnimmt.“

Am 10. Februar hatte die Kapelle eine Radiostunde im Sendehaus der RAVAG, das Konzert wird live übertragen. In Zusammenhang der Radiostunde erfolgt auch eine Schallplattenaufnahme.

Ort der Aufführung dieser Tonaufnahme ist  ein überaus großer Saal, wobei alle Register weit gestreckt auf den ganzen Raum verteilt sind.

Anmerkung zur Radioübertragung:

Im Gasthof Alpenrose stand im Jahre 1934 einer der wenigen Radioapparate des Tales  und es war eine wahre Sensation,  unsere Musikkapelle im fernen Wien über Radiowellen vernehmen zu können. Alt und Jung war anwesend, so auch die Buben von "Föstler" Chrysant und Lois, vom Bodnerhof beinahe alle Knechte und Mägde, aber auch vom hintersten Winkeltal fanden sich begeisterte Zuhörer ein. Äußerste Ruhe war angesagt, damit keiner der so wertvollen und seltenen  Klänge  den Ohren verloren geht.

Programm aus der Radiostunde mit der "Außervillgratener Bauernkapelle"
Wien 10.Feber 1934.

Ländler, Walzer,
Tiroler Standschützenmarsch

Nachfolgend zwei Originalaufnahmen:

Name Abspielen Länge
Titel 01

2:50 min
Titel 02

2:59 min

Das „Kleine Volksblatt“, v. 11.2.1934 kündigt an:

„Die berühmte Außervillgratner Schützenkapelle gibt heute, 19 Uhr, im Antonius Saal beim Weigl einen Osttiroler Kunst- und Tanzabend, zu dem hiermit herzlichst eingeladen wird."

 

 
Wien Fahrt 1934 - Teil 3

Aufmarsch vor dem Bundeskanzleramt

Aufmarsch vor dem Bundeskanzleramt in Wien 1934In diesen Faschingstagen brach in Österreich der Bürgerkrieg aus.

Mit 24 Stunden Verspätung gelangte die frohe Musikerschar vom Gebiet des Bürgerkrieges in die friedliche Heimat, jeder geht wie traumbeladen da und dort seiner Arbeit nach. Wie im Widerhall hämmert das Herz in wilder Glut – die das warme Wienerherz gab. Wien der Ort, der die Tiroler schätzt und überschwänglich ehrt und jedem eine Form spendet. ... Unsere Kapelle kam gesund und wohlerhalten, zwar nicht plan- und zeitgemäß, denn es erging ihnen „wie Weiland den Hl. 3 Königen“, sie mußten über ein fremdes Land zurückkehren. Aber alle und eine große Zahl mit ihnen war bereit, falls das Vaterland ruft.“

 

Ein freudiges Ereignis für die Schützenkapelle einer Berggemeinde, ein wohltuender Lohn für die vielen Proben und die damit verbundenen weiten Wege. 

26.2.1934
In einer Nummer der „Lienzer Nachrichten.“ wird von einem Musikanten und Teilnehmer an der Wienreise, Fahrt, Erlebnisse, Aufnahme, Verlauf, Vorstellung Rückfahrt und Behandlung geschildert:

...Auch die Angehörigen in der Heimat haben ein Recht, im Geist ihre Lieben in weite Ferne zu begleiten. Denn: Nicht nur Freude war es, die heimische Kapelle in der Hauptstadt Wien zu wissen. Diese Freude wurde uns, dank der heutigen Technik, reichlich belohnt. Wer bewirkt dieses Wunder ? Vielleicht Zauberei ? O nein, es ist die Technik des Radio. Ein vollbesetztes Lokal im Gasthof Peter Leiter horchte den Klängen unserer Kapelle aus der fernen Stadt Wien. Aber auch Kummer und Sorgen gesellten sich zur Freude. Denn der 12. Feber war gewiss nicht für freudige Stimmung. Das Radio brachte uns wiederum in die Nähe, wo frevelhafte Elemente der Regierung und einem geordneten Staatswesen ein Grab schaufeln wollten.“   

Notiz des Chronisten v. 5. November 1996:
Johann Weitlaner " Bodner Hansele", erzählt zu Wienfahrt 1934 folgendes:

Johann Weitlaner  selbst nahm an diesem Anlass bereits als Bassist  teil und kann sich erinnern, dass unter anderem folgende Außervillgrater Musikanten mit von der "Partie" waren:

Jakob Ortner, Jungegg * 1906 – 1978 +
Johann Bergmann, Perfl – Unterfeld  * 1881 – 1951 +
Georg Weitlaner, Boden  * 1895 – 1977 +
Josef  Bergmann, Perfl-Unterfeld * 1872 – 1936 +
Franz Walder, Niederegg  * 1881 – 1955 +
Johann Schett, Geiregg  * 1896 – 1973 +
Alois Trojer, Durach – Nefe  * 1900 – 1950 +
Christian Perfler, Tischlermeister  * 1877 – 1958 +
Franz Hofmann, Aigen – Innertilliach  * 1881 – 1953 +
Martin Pitterle, Hochegg  * 1909 – 1997 +
Johann Bergmann, Erschbaum        * 1899 – 1970 +
Alois Schett, Glinze * 1910 -  1956 +

Insgesamt zählten zur  Delegation 28 Teilnehmer, darunter  der Kapellmeister Josef Wieser mit weiteren 5 Musikanten aus Strassen,  der Fähnrich, ein "Tafeletrager" und ein paar Begleitpersonen. 

Im Einzelnen können die Musikanten und Begleiter von Außervillgraten nicht mehr vollständig festgestellt werden. 

Die Radio Verkehrs AG (RAVAG) wurde 1924 als erste österreichische Rundfunkgesellschaft gegründet. Sie bestand bis zur Gründung des ORF im Jahr 1958

Während der Bildungsauftrag im Kulturbereich mehr als heutzutage erfüllt wurde, blieben Hörfunk- Berichte über politische Vorgänge während der Ersten Republik tabu. Erst der autoritäre Ständestaat - von seinen Gegnern später als Austrofaschismus bezeichnet - unter Engelbert Dollfuß und Kurt Schuschnigg bediente sich des Hörfunks als Propagandainstrument. Im Kulturbereich wurden christliche Themen forciert und z.B. 1933 die „Geistliche Stunde“ eingeführt. Auch spielten Übertragungen von Messfeiern eine wichtige Rolle im Hörfunk des Ständestaates.

Am 25. Juli 1934 wurden die Sendeanlagen in der Johannesgasse von nationalsozialistischen Putschisten, die als Bundesheersoldaten verkleidet waren, besetzt. Eine Erklärung, dass Bundeskanzler Engelbert Dollfuß zurückgetreten sei, wurde verlesen. 

In den nachfolgenden Kämpfen wurden Teile der Sendeanlagen zerstört und mehrere Personen getötet.